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Mein Beitrag zum Webmontag in Bonn am 19.09.2016

Der digitale Heimatverein

Einleitung
Du machst tausende Fotos von deiner Welt, postest sie über Social Media rund um die Welt. Aber wo bleiben diese Bilder? Im Stadtarchiv lagern Bilder von 150 Jahren Fotografie. Wer kann in 50 Jahren auf deine Bilder noch zugreifen? Wer, wie und wo werden sie für nachfolgende Generationen gespeichert? Du schreibst dir in deinem Block die Finger wund? Wer wird in ein paar Jahren deine Zustandsbeschreibung der Gegenwart noch lesen können?
Pers. Vorstellung
Werner Kathe, komme aus Ahrweiler, war vier Jahrzehnten im öffentlichen Dienst tätig, war selbständiger IT-Dienstleister und bin nun im digitalen ehrenamtlichen Bereich unterwegs.
Zum Thema
Seit 2010 bin ich im Stadtarchiv Bad Neuenahr-Ahrweiler tätig und habe in dieser Zeit ca. 5000 Ansichtskarten der letzten 130 Jahre eingescannt. In dieser Zeit hat sich die Stadt verändert, die abgebildeten Menschen und ihr soziales Umfeld. Erst durch den verdichteten Zugriff auf diese Bilddaten werden Veränderungen über die Zeit erkennbar. Nur leider sind diese Daten nicht öffentlich zugänglich. In Ahrweiler haben wir einen Heimatforscher, der alte Rechnungsbücher der Stadt entziffert hat und als Bücher herausgegeben hat, eine erkenntnisbringende Arbeit. Aber so richtig auswertbar sind diese Bücher erst in digitaler Form. Die regionale Mundart stirbt langsam aus. Ihre Vergänglichkeit versuchen wir durch Videoaufnahmen entgegen zu wirken. Diese sind über YouTube einsehbar. Können wir auch in Zukunft auf diese Zeitdokumente noch verlässlich zugreifen, wenn sich das Geschäftsmodell von YouTube ändert? Auf Facebook gibt es wunderbare Gruppen, die Bilder der Heimat sammeln. Von meiner ferner Heimatstadt habe ich so ca. 2000 Fotos gesehen und lokal gespeichert. Wie ist der Zugriff auf diese Bilder gewährleistet, wenn Facebook seinen Auffind-Algorithmus  ändert? Die gleiche Fragestellung gilt natürlich auch für andere Dienste wie Instagram, Pinterest, Flickr etc.
In Blogs werden viele Texte zu vielfältigen Themen veröffentlicht. Manches ist für den alsbaldigen Verbrauch bestimmt, sorgt für das mediale Rauschen. Die nachhaltigen Texte, sofern als Buch gedruckt finden in Bibliotheken ihre Heimat,  wo aber werden die digitalen Texte aufbewahrt, wenn dem Blogger das Geld für seinen Blog ausgeht, der Server nicht mehr bezahlt wird.
Diese Aufzählung ist natürlich unvollständig. Die Tragweite des Themas erschließt sich leider auch nicht sofort, schon gar nicht umfassend. Ich bin auch nicht in der Lage oder Willens, eine Lösung dafür anzubieten. Mit meinem Vortrag möchte ich den Gedankengang, für diese skizzierten Daten eine verlässliche, gemeinnützige, von Gewinnabsichten befreite Datenheimat zu schaffen, in die Welt hinaus tragen. Diese Problemstellung trifft nicht nur Einzelne, öffentliche Archive haben ähnliche Probleme. Dort versucht die https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/ eine Plattform für Archive zu bieten. Sie steht jedoch Einzelpersonen nicht zur Verfügung.
Gemeinsam schimpfen wir über die gängigen Social Media Dienste. Deren Flüchtigkeit sind wir uns nicht bewusst oder nehmen sie aus Bequemlichkeit wissentlich in Kauf. 

Sind wir nicht in der Lage, unseren Daten selbst eine Heimat zu bieten?

Deshalb mein Appell :

Lasst uns einen unabhängigen digitalen Heimatverein auf den Weg bringen!